Neuer Zählerschrank Pflicht, uralter Hausanschluss kein Mangel? Laudeley kritisiert Doppelmoral

Martin Jendrischik
Holger Laudeley und ein jahrzehntealter Hausanschlusskasten mit 63-Ampere-NH-Sicherungen
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Für eine neue PV-Anlage mit Speicher und Wallbox musste ein Kunde von Laudeley Betriebstechnik einen komplett neuen Zählerschrank bezahlen – so verlangt es der Netzbetreiber. Direkt davor hängt allerdings ein Hausanschlusskasten aus einer anderen Zeit: dünne Aluminium-Zuleitung, von Hand gebogene Ösen statt Klemmen.

Holger Laudeley meldete den Mangel – und bekam eine Antwort, über die er sich mit Leo vom YouTube-Kanal „Tips, Tricks & More“ gründlich aufregt.

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Ein Hausanschluss aus einer anderen Zeit

Der Hausanschlusskasten ist die Stelle, an der das Kabel aus der Straße ins Haus kommt. Hier sitzen die Hauptsicherungen, hier endet das Netz des Netzbetreibers. Im konkreten Fall – ein gut 50 Jahre altes Haus in einer großen norddeutschen Hafenstadt – kommt eine dünne Aluminiumleitung aus der Erde. Abgesichert ist der Anschluss mit 63-Ampere-NH-Sicherungen, rechnerisch reicht das für gut 40 Kilowatt. Der Neutralleiter ist noch rot, wie es vor Jahrzehnten üblich war.

Das eigentliche Problem: Die Leiter sind nicht mit Klemmen oder Kabelschuhen angeschlossen, sondern zu Ösen gebogen und unter eine Schraube geklemmt. „Ich habe 1981 bei der Bundesmarine gelernt. Da hat man uns schon gesagt: Das Ösenbiegen steht noch im Lehrplan, aber bitte macht es nicht mehr“, sagt Laudeley.

Warum gebogene Ösen heute ein Risiko sind

Früher hingen an so einem Anschluss ein paar Glühlampen und das Bügeleisen. Heute laufen darüber Wallbox, Wärmepumpe, Durchlauferhitzer und Batteriespeicher – oft über Stunden mit hoher Leistung. Eine gebogene Öse hat wenig Kontaktfläche, und unter Dauerlast und ständigen Temperaturwechseln können sich Schraubverbindungen lockern.

Dann steigt der Übergangswiderstand, und die Stelle wird heiß. In diesem Haus hängen inzwischen eine Wallbox mit 11 kW, ein Durchlauferhitzer mit rund 20 kW und ein Speichersystem, das mit bis zu 12 kW laden und entladen kann.

Die Antwort des Netzbetreibers

Laudeley meldete den Kasten mit Fotos beim Netzbetreiber und bat um Austausch. Die Antwort: Die Ausführung begründe „für sich genommen keinen technischen Mangel“. Leiter ohne Kabelschuhe seien „nicht pauschal unzulässig“, maßgeblich seien Bauart und Herstellervorgaben. Ein Austausch werde nicht veranlasst.

Laudeley empfiehlt dem Hausbesitzer nun, das Schreiben feuersicher neben dem Hausanschlusskasten aufzubewahren und zu den Hausakten zu nehmen. Brennt es dort einmal, hat der Brandgutachter gleich die Stellungnahme des Netzbetreibers zur Hand.

Die Doppelmoral: Zählerschrank neu, Kasten alt

Pikant wird der Fall durch den Vergleich. Damit PV-Anlage, Speicher und Wallbox überhaupt ans Netz dürfen, verlangt derselbe Netzbetreiber einen Zählerschrank nach seinen Technischen Anschlussbedingungen (TAB). In diesem Netzgebiet heißt das unter anderem: drei sogenannte RFZ-Felder, also Reserveplätze für Zusatzanwendungen, die der Netzbetreiber irgendwann nutzen will. Laudeley Betriebstechnik hat den Schrank deshalb komplett neu gebaut und sogar ein Anschlusskabel so vorbereitet, dass der Netzbetreiber den Hausanschlusskasten ohne großen Aufwand tauschen könnte.

Solche Umbauten kosten Kunden schnell 2.000 bis 3.000 Euro, laut Laudeley auch bis zu 5.000 Euro. Leo schätzt, dass bei über 90 Prozent der Installationen der alte Zählerschrank raus muss – oft nicht aus technischen Gründen, sondern weil die TAB es so vorschreiben. „Wir bauen für tausende Euro Schränke weg, die keine zehn Jahre alt sind“, sagt Laudeley. Und davor bleibt ein jahrzehntealter Kasten einfach hängen.

Wem gehört der Hausanschluss?

Hausanschlusskasten und Zuleitung gehören nicht dem Hausbesitzer, sondern dem Netzbetreiber. Nach der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) ist allein er dafür zuständig, den Anschluss herzustellen, zu unterhalten und zu erneuern. Der Kunde darf daran nichts verändern – er kann den Netzbetreiber nur auf Mängel hinweisen. Genau das hat Laudeley getan.

Wenn ein Hausanschluss durchbrennt

Wie es enden kann, zeigt Laudeley im Video mit Bildern eines anderen Hausanschlusses, der unter Last durchgebrannt ist: Die Isolierung schmolz, zwei Leiter berührten sich, es kam zum Brand. Die Ströme waren so hoch, dass erst die Sicherung in der Trafostation auslöste. Die Feuerwehr musste anrücken.

Dass Netzbetreiber anders reagieren können, hat Laudeley selbst erlebt: In einem früheren Fall meldete er einen veralteten Hausanschluss um 11 Uhr bei der EWE – um 16 Uhr war ein neuer eingebaut, samt neuer Zuleitung aus der Straße. Auch die Osterholzer Stadtwerke schicken nach seiner Erfahrung sofort den Netzmeister, wenn sie solche Bilder bekommen.

Unser Rat

Wer eine PV-Anlage, Wärmepumpe oder Wallbox plant, sollte bei der Gelegenheit auch den Hausanschlusskasten prüfen lassen. Gebogene Ösen, Aluminiumleitungen oder verfärbte Anschlussstellen sollte man dem Netzbetreiber schriftlich und mit Fotos melden und die Antwort aufbewahren. Laudeley Betriebstechnik prüft Hausanschluss und Zählerschrank bei jeder Planung mit: 04292 / 810 340 oder catharina@laudeley.de.

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