Wechselrichter von Hersteller A, Speicher von Hersteller B, dazu eine Wallbox, eine Wärmepumpe und ein Balkonkraftwerk: In vielen Häusern arbeiten die Geräte der Energiewende nebeneinander her statt miteinander. Elektriker Leo Tiedt von Laudeley-Partner Sonnenladen.de hat mit seinem Team von Sonnenladen ein Jahr lang an einer Lösung gearbeitet. Jetzt stellt er auf seinem YouTube-Kanal „Tips, Tricks & More“ die App Solistrom vor, ein herstellerunabhängiges Energiemanagement. Holger Laudeley ist beeindruckt: „So etwas gibt es bisher nicht am Markt.“
Das Problem: Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen
Leo kennt die Situation aus dem Alltag: Eine bestehende PV-Anlage soll einen neuen, günstigeren Speicher bekommen, oder eine Wärmepumpe oder ein Heizstab kommt dazu. Am Ende stammt alles von verschiedenen Herstellern und lässt sich kaum gemeinsam steuern. „Niemand will ja neue Geräte kaufen, nur weil die alten nicht mit der neuen PV-Anlage zusammenarbeiten können“, sagt Leo. Gerade für Besitzer älterer Anlagen, die nach dem Ende der EEG-Vergütung auf Eigenverbrauch umstellen, ist das ein echtes Hindernis.
Was Solistrom kann
Solistrom ist ein Home Energy Management System, kurz HEMS. Die App zeigt auf einen Blick, wie viel die PV-Anlage erzeugt, was der Speicher macht, wie viel das Haus verbraucht und ob gerade Strom aus dem Netz kommt oder eingespeist wird. Auch mehrere Wechselrichter, mehrere Speicher und ein Balkonkraftwerk laufen in einer Ansicht zusammen, dazu kommt eine Ertragsprognose für die nächsten Tage. Laut Anbieter sind derzeit 190 Geräte von 65 Herstellern kompatibel, 168 davon lassen sich aktiv steuern.
Die Einrichtung läuft über die vorhandenen Schnittstellen der Hersteller, im besten Fall vom Sofa aus und ohne Umbau an der Hauselektrik. Bei Fronius etwa meldet man sich einfach mit den Zugangsdaten des Herstellerportals an.
Automatisch steuern statt selbst schalten
Der eigentliche Nutzen liegt in der Steuerung. Die App lädt das E-Auto mit Solarüberschuss, plant die Ladung bis zu einer gewünschten Abfahrtszeit und nutzt dynamische Stromtarife. Wer keine PV-Anlage hat, kann einen Grenzpreis pro Kilowattstunde festlegen, unter dem geladen wird. Über Prioritäten legt man fest, ob zuerst das Auto lädt oder zuerst der Heizstab läuft. Im Schnitt spare man so knapp 20 Prozent mehr als ohne Energiemanagement, sagt Leo.
Neu ist auch der Community-Gedanke: In Energiegemeinschaften können sich Nutzer zusammenschließen und live sehen, was bei den anderen vom Dach kommt. Perspektivisch soll die Steuerung auch Energy Sharing ermöglichen, sobald die Regulierung in Deutschland das zulässt.
Cloud mit Server in Frankfurt
Solistrom läuft in der Cloud. Leo spricht das offen an: Wie schnell die App reagiert, hängt davon ab, wie schnell die Herstellerclouds die Daten liefern. Bei Shelly sind das wenige Sekunden, bei anderen dauert es länger. Für das kommende Frühjahr kündigt Leo eine Lösung an, mit der sich Geräte auch lokal einbinden und in Echtzeit steuern lassen. Im Hintergrund arbeitet Solistrom mit dem Energiemanagement-Spezialisten clever-PV zusammen. Entwickelt wurde die App in Deutschland, die Server stehen in Frankfurt.
Kosten
Die App gibt es für iOS und Android. Nach 14 kostenlosen Testtagen kostet sie 8,99 Euro im Monat oder 94,99 Euro im Jahr.
Unser Rat
Wer Speicher, Wallbox oder Wärmepumpe nachrüsten will und bereits Geräte verschiedener Hersteller im Haus hat, muss nicht alles austauschen. Ein herstellerunabhängiges Energiemanagement holt mehr Eigenverbrauch aus der vorhandenen Technik. Laudeley Betriebstechnik berät zu Speichern, Energiemanagement und Eigenverbrauch: 04292 / 810 340 oder catharina@laudeley.de.