Netzpaket der Bundesregierung: Stopp der Energiewende durch die Hintertür?

Martin Jendrischik
Laudeley im Interview zum Netzpaket
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Der geleakte Referentenentwurf zum Netzpaket von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche liegt vor – und die Auswirkungen auf Bürgerenergie, Solarteure und den gesamten Erneuerbaren-Ausbau könnten gravierend sein. Holger Laudeley ordnet die wichtigsten Punkte gemeinsam mit Frank Farenski bei „Leben mit der Energiewende TV“ ein.

Was im Netzpaket steckt

Der Entwurf sieht vor, dass Netzgebiete als „kapazitätslimitiert“ ausgewiesen werden können, sobald Erneuerbare dort mehr als drei Prozent über der bisherigen Kapazität einspeisen würden. In der Praxis bedeutet das: An den meisten Standorten in Deutschland wäre ein weiterer Zubau kaum noch möglich – und das potenziell für bis zu zehn Jahre.

Hinzu kommt: Der sogenannte Redispatch-Vorbehalt soll gestrichen werden. Bisher erhalten Betreiber von Wind- und Solaranlagen eine Entschädigung, wenn ihre Anlage wegen Netzengpässen abgeregelt wird. Fällt diese Sicherheit weg, fehlt Investoren jede Kalkulationsgrundlage.

Besonders brisant: Netzbetreiber sollen für Anlagen ab 135 kW eigene Priorisierungen für Anschlussbegehren entwickeln dürfen. Damit würde die gesetzlich verankerte Vorrangstellung erneuerbarer Energien faktisch ausgehebelt – und zwar durch diejenigen, die am wenigsten Interesse am Ausbau haben.

Baukostenzuschüsse auch für Kleinanlagen

Auch Eigenverbraucher und Betreiber kleiner Anlagen sind betroffen: Der Entwurf sieht Baukostenzuschüsse für den Netzanschluss vor – ohne Bagatellgrenze. Selbst wer eine Nulleinspeisung plant und das Netz gar nicht zusätzlich belastet, soll zahlen. Die Höhe legen die rund 850 Netzbetreiber in Deutschland jeweils selbst fest.

Was Laudeley rät

„Wer eine Anlage plant, sollte jetzt handeln – solange die bestehenden Regelungen noch gelten“, sagt Holger Laudeley im Interview. Sein konkreter Rat: Anlagen auf Eigenverbrauch dimensionieren, schriftlich auf die Einspeisevergütung verzichten und auf Nulleinspeisung setzen. So bleibe die Anlage wirtschaftlich kalkulierbar und der Netzanschluss unkompliziert.

Laudeley verweist außerdem auf die Aktion „Solarstrom statt Erdgasstrom„, über die bereits mehr als 12.000 Bürgerinnen und Bürger Briefe an ihre Wahlkreisabgeordneten geschickt haben. Wer konkrete Beratung sucht, findet über den Verband Energieerzeugende Gebäude e.V. unter ve-eg.de ein Kontaktformular mit Bedarfsanalyse.

Noch mehr Infos zum Netzpaket gibt es beim Fachmagazin Cleanthinking.de. Das vollständige Video-Interview gibt es hier:

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